Geschichte der Pfarrei

Die Geschichte der Pfarrei Ebersheim ist über viele Jahrhunderte wohl identisch mit der Geschichte des kleinen Dorfes Ebersheim. Seit der Gründung in fränkischer Zeit waren die Bewohner Christen, nach der Reformation blieb der Ort katholisch.

Jahr Katholiken Protestanten Juden

1780

540

1850

1073

1

47

1871

1083

17

56

1882

1043

12

52

1905

1069

7

38

1927

1057

9

33

1941

1150

ca. 10

Bürgerliche und kirchliche Gemeinde entsprachen sich also weitgehend. Das Kirchenjahr mit seinen besonderen Zeiten und Festen prägt das Leben der Menschen. Die Knotenpunkte des menschlichen Lebens, besonders Geburt, Heirat und Tod, wurden im Raum der Kirche gedeutet und gefeiert. Hier brachten Unzählige ihr Leben mit seinen Hoffnungen und Ängsten, mit Freude und Trauer, auch mit Versagen und Schuld im Gebet vor Gott zur Sprache und holten sich Halt und schöpften Zuversicht aus ihrem Glauben. Deshalb kam auch dem Gotteshaus eine besondere Bedeutung zu, es war für die Menschen ein Stück Symbol ihres Heimatortes und eng mit ihrer Lebensgeschichte verknüpft. Es liegt im Dunkel der Geschichte, seit wann die Bewohner des Dorfes Ebersheim eine eigene Pfarrkirche besaßen. Die älteste schriftliche Erwähnung einer Kirche in Ebersheim ist recht zufälliger Natur und stammt aus dem Jahre 1184. In einer Bulle bestätigte Papast Lucius III. (1181-85) der Abtei St. Alban in Mainz alle ihre Besitzungen, Rechte und Privilegien und nennt dabei auch die Kirche in Ebersheim mit einer Kapelle. Die Kappelle gehörte vermutlich zum sogenannten Töngeshof. Die Rechte des St. Albanklosters wurden auf Bitten des Abtes 1213 von den Mainzer Erzbischöfen Siegfried II. von Eppstein (1200-1230) und 1325 Mathias von Bucheck (1321-1328) aus dem Mainzer Domkapitel bestätigt. Auch Papst Bonifaz IX. (1389-1404) bestätigte 1402 dem Klsoter seinen besitz und gab die Erlaubnis, daß die Pfarrei Ebersheim durch Mönche des Klösters verwaltet wurde. Mit dem Patronatsrecht des Klosters war auch die Verpflichtung verbunden, Chor und Sakristei zu bauen und zu unterhalten. Wahrscheinlich errichtete beim Neubau der Kirche 1725-1729 das St Albansstift Chor und Sakristei, während das Schiff aus Mitteln der Gemeinde erbaut wurde. Nach der Baurechnung, die der damalige Schultheiß Johann Peter Nauth erstellt hatte, beliefen sich die Ausgaben für das Kirchenschiff auf 5348 Gulden. Zur selben Zeit (1725-28), vermutlich auch vom selben Baumeister, wurde die Kirche in Gau-Bischofsheim erbaut. 1746 wurde diese Kirche neu ausgemalt und um diese Zeit herum von demselben Maler auch die Ebersheimer Kirche ausgemalt. Wohl aus Geldmangel wurde beim Bau der Ebersheimer Kirche kein Kirchturm errichtet. Erst 1768 konnte ein Kirchturm an die Kirche angebaut werden. Im Turm wurde eine kleine Kupfertafel gefunden mit folgendem Text:

Georg Darendot, Schmiedemeister
Ernst(?) B…(?)
J.D.G. Anno 1812 5 8ber

Die neue Kirche hier wurde 1725 unter dem Schultheis Peter Nauth durch dessen unverdroßenheit und Kentniß erbaut. 1709 beworfen und vollendet. Im Jahre 1768 unter dem Dechanten und Pfarrer Kaßing (wohl Pr. Keisin), dem Schultheis Jacob Kroneberger wurde dieser Thurm erbauet und durch den Schieferdecker Mahliger gedeckt.
Diese kurze Nachricht fand man in dem Kopfe des Thurms auf Papier geschrieben, welches kaum der Verwesung entgangen war, als man das Kreuz und den Knopf wegen seiner Baufälligkeit herunter nehmen und befestigen muste, Dazumal war Joseph Ludwig Colmar Bischof zu Mainz, Friedrich Schäfer Maire, Heinrich Arnold Adjunct, Johann Lillia von Manheim Pfarrer, Joseph Hechtelberger Präsident ds Kirchen Rhates, Johannes Glaser, Johannes Schad, Johann Franz Knab, Philip Knußmann Einnehmer und mit obigen Rath der Kirche in Ebersheim. Durch diese wurde auch dieser Thurm aus den Mitteln der Kirche von dem Steindecker Seb. Hiller und Bruder Braun für 400 franc erneuert. Im Jahre 1812 … 5t. 8ber Friedrich Kopp von Meynz. J. Lilia
L.D.
Anno 1837 im Monat May wurde der Thurm renoviert; es war Pfarrer David Hahn, Bürgermeister Michael Knußmann. Gumbel Lehrer.

Im Jahre 1793 konnte die Gemeinde von der Kirche St. Quintin in Mainz für 95 Gulden einen Hochaltar erwerben. Der Altar stammt aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Er hat eine Höhe von 12 m. Auf dem unteren Ölbild ist das Martyrium des hl. Laurentius dargestellt. Dieses Bild wurde aber wahrscheinlich erst später bei der Ãœbertragung des Altars nach Ebersheim eingesetzt. Die Kirche hat außer dem Hochaltar 2 Seitenaltäre, einen Rosenkranzaltar und einen Nikolausaltar, die aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen. Im Jahre 1858 war eine Renovation der Kirche notwendig. Der damalige Pfarrer David Hahn ging mit dem Kirchenvorstand Johannes Sieben von Haus zu Haus und die Sammlung erbrachte 1600 Gulden. 1859 wurde die Kirche von dem „Decorationsmaler Carl Schneider aus St. MArtin in Rheinbayern“ neu ausgemalt. Der ehemalige Bürgermeister Michael Knußmann II wird dabei als besonders großzügiger Spender erwähnt. 1902/03 erhielt die Kirche 4 neue Fenster, eines mit der Darstellung des hl. Laurentius, eines mit der Rosenkranzkönigin. Diese Fenster befinden sich heute nich hintern in der Kirche. Inzwischen war die Ebersheimer Kirche zu klein geworden, und man dachte an eine Erweiterung. Allerdings gab es darüber wohl Meinungsverschiedenheiten. Der damalige Pfarrer Phillip Kohl schrieb 1903 zornig in die Pfarrchronik: „Die absolut im Interesse der Männerseelsorge notwendige Erweiterung der Kirche, worüber eine Skizze des Architekten Greifzu noch beim Kreisamt liegt, wurde durch unwürdige Machinationen des Bürgermeisters, dessen Namen nicht verdient, der Chronik einverleibt zu werden, vereitelt. – Der pars major et sanior parochiae war mit der geplanten Erweiterung, die ca. 7000 Mark gekostet hätte, einverstanden. Deus omnia bene vertat.“ Am Tage dieses Eintrages in die Chronik verließ Pfarrer Kohl die Pfarrei und übernahm die Pfarrei Ober-Mörlen. Im Jahre 1906 wurde dann doch die Erweiterung der Kirche beschlossen und zwar größer als 1903 geplant. Der Mainzer Architekt Prof. Ludwig Becker ahtte dazu einen Plan gemacht. Der alte Chor der Kirche und die Sakristei wurde abgerissen, das Schiff etwas verlängert und Seitenschiffe angebaut sowie ein neuer Chor und eine neue Sakristei angefügt. Am 2. August 1908 wurde der Grundsteinder neuen Kirche gelegt. Am Tage nach dem Rosenkranzfest, dem 4. Oktober 1909, konnte Bischof Georg Heinrich Kirstein die erweiterte Kirche einweihen. Die Festpredigt hielt Prof. Georg Lenhart aus Bensheim. Die Baukosten waren auf 35.000 Mark veranschlagt, betrugen aber am Ende 57.000 Mark. In den Jahren1025/26 wurde die Kirche von dem Kirchenmaler Julius Riester aus Stuttgart für 7860 Mark neu ausgemalt. Die 3 großen Deckenbilder im Schiff der Kirche stellen Szenen aus dem Leben des hl. Laurentius dar. Als Vorbilder für die Gesichter wählte sich der Maler Einwohner von Ebersheim. So ist auf dem mittleren Bild recht hinten der damalige Pfarrer ANton Singer, davor der damalige Kaplan und spätere Pfarrer von Zornheim Joseph Schwarz zu sehen. Die Orgel der Kirche: Das Baujahr der Orgel liegt nicht genau fest. Sie wurde wohl in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts von dem Orgelbauer Joseph Anton Onimus erbaut. Diese Orgel hatte in einem Manual und Pedal 13 Register. Im Laufe der Zeit erfolgten verschiedene Umbauten und Reparaturen. Der letzte Umbau erfolgte durch die Firma Breitmann in Nieder-Olm und wurde 1976 beendet. Das Werk besitzt jetzt 21 klingene Register in 2 Manualen und Pedal. Der Orgelpsopekt ist um 1760 entstanden und in der ursprünglichen Form erhalten geblieben. Die Glocken der Kirche: Ursprünglich ahtte Ebersheim eine 1557 von Conrad Gobel in Frankfurt gegossene Glocke. 1870 kamen von A. Hamm in Frankenthal gegossene Glocken hinzu. Die beiden letzten Glocken mußtem im 1. Weltkrieg abgeliefert werden. Die alte Glocke von 1557 wurde 1920 von Pfarrer Schneider veräußert bzw. gegen eine neues Stahlgehäuse eingetauscht. Dieses Geläute (3 Glocken) wurde von der Firma Rineker in Sinn für 3500 Mark geliefert. 1933 stiftete der Lehrer, Peter Hofmann, der 1930 schon die Lourdesgrotte neben der Kirche hatte erbauen lassen, der Kirche neue Glocken. Es waren 3 Bronzeglocken, welche die Firma A. Hamm in Frankenthal gegossen hatte. Im Zweiten Weltkrieg, 1942, mußten 2 dieser Glocken wieder als Kriegsmaterial abgeliefert werden. Nur die kleinste Glocke: „Unsere liebe Frau von Lourdes“ verblieb der Kirche. Die alten Stahlglocken, die neben der Kirche standen, wurden am 20.11.1938 während des Hochamtes ohne Benachrichtigung des Pfarrers von SA-Männern abtransportiert. Eine der beiden abgelieferten Bronzeglocken wurde nach dem Krieg in Hamburg aufgefunden und 1947 wieder zurückgebracht, 1955 wurde die 3. Glocke von der Firma Hamm wieder ergänzt. So hat die Kirche heute 3 Glocken:

  • 1. Dreifaltigkeitsglocke (Es – 1200kg – kam 1947 zurück)
  • 2. Elisabeth (f – 845kg – 1955 neu)
  • 3. Maria (as – 510kg – war geblieben)

Wer heute die Kirche betrachtet, stellt fest, daß außen der Verputz sehr erneuerungsbedürftig ist und auch die Kirche innen renoviert werden müßte. Die letzte Renovation ließ Pfarrer Adolf Jäger im Jahre 1966 vornehmen. Die Gesamtausgaben betrugen damals ca. 250.000 DM. Heute dürfte eine Renovation noch teurer werden. Dazu ist derzeit kein Geld vorhanden.
Die Pfarrei hat noch für 3 weitere Gebäude zu sorgen, für die auch größere Summen zur Erhaltung notwendig wären:
Das ehemalige Schwesternhaus wurd 1894 erbaut. Nachdem es zeitweise als Kindergarten und dann als Sozialstation gedient hatte, ist dort heute die öffentliche katholische Bücherei untergebracht, ein Gesprächsraum und die Wohnung der Gemeindereferentin.
Das Pfarrheim der Pfarrei besteht aus einen kleinen Saal, einem kleinen Zimmer in einem ehemaligen Stall und einer kleinen Küche.
1968 wurde ein Kindergarten für 3 Gruppen mit 75 Kindern errichtet. Heute beherbergt der Kindergarten 4 Gruppen mit 100 Kindern, da durchv iele Zuzüge die Bevölkerung stark angewachsen ist, aber noch kein weiterer Kindergarten von anderen Trägern errichtet wurde. Inzwischen ist das Gebäude, das in Fertigbauweise errichtet wurde, sehr erneuerungsbedürftig.

Die Pfarrer von Ebersheim

 

Gerlach, Pleban in Ebirnsheym – das ist der erste namentlich bekannte Seelsorger von Ebersheim. Er wird 1330 als Zeuge in einem Rechtsstreit für einen vor Gericht abgelegten Eid erwähnt. Dieser Rechtsstreit betraf auch das Kloster St. Alban in Mainz. Zu den Zeiten, als die Pfarrei Ebersheim im Besitz der Abtei St. Alban in Mainz war, versahen wohl Mönche des Klosters die Pfarrei. Dies wurde dann auch durch eine Bulle von Papst Bonifaz IX. 1402 bestätigt. Als dann 1419 die Abtei St. Alban in ein Ritterstift umgewandelt wurde, kam die Verwaltung der Pfarrei an Weltgeistliche. Soweit die alten Pfarrbücher von Ebersheim zurückreichen, sind die Pfarrer dann alle den Namen nach bekannt, ebenso die Zeit ihrer Tätigkeit in Ebersheim. An die Pfarrer der jüngeren Zeit können sich viele Ebersheimer Bürger noch erinnern.

1664-1666 Johann Bapt. Michel, administrator sacellanus
1666 Daniel Becker
1667-1670 Fr. Hyacinth Dores, Ordinis Praedic.
1670-1673 Johann Franz Weninger
1673-1679 Johann Franz Weninger
1679-1688 Johann Filzengruber aus .. bei Koblenz, gestorben 5.1.1688 in Ebersheim
1688-1696 Jakobus Romanus
1696-1699 Jakob Haan
1699-1722 Arnold Feidschede
1722-1735 Christian Joseph Wetz
1736-1775 Peter Heinrich Keisin aus Bingen, später Landdechant des Olmer Kapitels, gestorben 1.10.1775
1775-1794 Johann Kaspar Schumacher, gestorben 13.3.1794, 52 Jahre alt
1794-1805 Langhirt
1805-1809 Paul Christian Zimmerschitt
1809-1810 Jakob Simon, aus Nieder-Olm
1810-1814 Johann Lilia, aus Mannheim, gestorben 16.1.1814
1814-1831 Kaspar Kehrein aus Bingen, geboren 1767 in Bingen, 13.3.1837
1832-1870 David Hahn, geboren 1801 in Bensheim, Bergstrasse, gestorben 7.1.1870
1870-1884 Sigismund Henrici, geboren 1823 in Rimbach/Odenwald, früher prot. Pfarre, gestorben 21.10.1884. Sein Grab und Grabstein befinden sich auf dem Ebersheimer Friedhof
1885-1887 Kaplan Anton Schmitt aus Bingen, versah als „Notseelsorger“ die hiesige Pfarrei während des Kulturkampfes.
1887-1888 Heinrich Joseph, geboren 1844 in Offenbach, 1888 Pfarrer in Armsheim, 1892 Benefiziat in Dieburg, gestorben 30.6.1915
1888-1895 Caspar Joseph Lohrum, geboren 1854 in Dieburg, 1895 Pfarrer ins Alsheim, 1911 Oberhilbersheim, 1916 Planig, gestorben 1934
1895-1903 Philip Kohl, geboren 1853 in Unter-Abtsteinach, dann Pfarrer in Nieder-Mörlen, gestorben 11.8.1910
1903-1923 Franz Schneider, geboren 1873 in Biblis. Er ließ die Kirche erweitern. 1923 Pfarrer in Heidesheim, gestorben 9.3.1929
1923-1926 Georg Jakob Brückner, geboren 1873 in Gernsheim, gestorben 2.3.1926. Er ruht neben Pfarrer Henrici auf dem Ebersheimer Friedhof.
1926-1945 Anton Singer, geboren 1875 in Mainz, 1910 Pfarrer ind Offstein, gestorben 22.10.1946, beerdigt in der Lourdes-Kapelle neben der Ebersheimer Kirche.
1945-1961 Geistl. Rat Jakob Seeger, geboren 1888 in Nieder-Olm, 1923 Pfarrer in Undenheim, 1930 in Worms-Herrnsheim, gestorben 4.5.1961
1961-1965 Dr. theol. Hermann Reifenberg, geboren 1928 in Oppenheim/rhein, 1965 Professor für Liturgiewissenschaft in Bamberg
1965-1969 Adolf Jäger aus Offenbach, vorher Pfarrer in Mainz St. Stephan, dann Seelsorger im Bruder-Konrad-Stift, Mainz
1969-1971 Priesterteam Norbert Pfaff, Phillip Mitterle, Johannes Zeeb, gemeinsam für Nieder-Olm, Klein-Winternheim, Saulheim mit Undenheim und Ebersheim
1971-1979 Jakob Bensheimer, geboren 1914 in Duisburg, 1952 Pfarrer in Mühlheim/M., 1958 Mainflingen, 1979 pensioniert
1979 Dr. theol. Helmut Schwalbach, geboren 1936 in Frankfurt/M., Professur für Pastoraltheologie an der Kath. Fachhochschule für Sozialpädagogik und Praktische Theologie in Mainz.

von Helmut Schwalbach

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